Hessische Bevölkerung seltener von Armut gefährdet als der Bundesdurchschnitt
Im Jahr 2009 waren gut zwölf Prozent der hessischen Bevölkerung von relativer Armut gefährdet. Wie das Hessische Statistische Landesamt aufgrund der Ergebnisse des Mikrozensus 2009 mitteilt, waren damit in Hessen vergleichsweise weniger Personen armutsgefährdet als im bundesdeutschen Durchschnitt mit knapp 15 Prozent.
Lediglich in Baden-Württemberg und in Bayern war die Armutsgefährdung mit jeweils etwa elf Prozent geringer. Entsprechend einer EU-Konvention gelten Menschen als armutsgefährdet, wenn ihnen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung, hier dem mittleren Einkommen in Deutschland, zur Verfügung stehen.
Erwerbslose waren in Hessen besonders häufig von Armut gefährdet. Mit gut 44 Prozent war fast jeder Zweite ohne Job armutsgefährdet, von den Erwerbstätigen hingegen nur jeder sechzehnte (sechs Prozent). Geringqualifizierte tragen mit einem Anteil von gut 33 Prozent ein deutlich höheres Armutsrisiko als Hochqualifizierte, von denen lediglich vier Prozent ein erhöhtes Armutsrisiko hatten.
Neben dem Erwerbsstatus hat die Haushaltszusammensetzung Einfluss auf die Armutsgefährdung der darin lebenden Personen. So war fast jede(r) dritte Alleinerziehende (31 Prozent) von Armut bedroht, sowie jede vierte Familie (26 Prozent) mit drei oder mehr minderjährigen Kindern im Haushalt. Aber auch jeder fünfte Einpersonenhaushalt (20 Prozent) trug ein erhöhtes Armutsrisiko.
Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund war zudem mit einem Anteil von 24 Prozent deutlich häufiger von Armut betroffen als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (neun Prozent).
Mit Blick auf das Alter zeigt sich, dass besonders jüngere Menschen überdurchschnittlich oft ein erhöhtes Armutsrisiko hatten. Etwa jedes sechste Kind (16 Prozent) unter 18 Jahren und jeder fünfte junge Erwachsene (19 Prozent) zwischen 18 und 24 Jahren war armutsgefährdet.
Bei den 50- bis unter 65-Jährigen hingegen traf dies nur auf jeden zehnten zu. Im Rentenalter lag der Anteil der von Armut bedrohten Bevölkerung wiederum etwas höher bei etwa zwölf Prozent. Frauen (13 Prozent) waren etwas häufiger von Armut bedroht als Männer (zwölf Prozent).
Diese und weitere umfangreiche Daten zu Armuts- und Sozialindikatoren sowie detaillierte methodische Erläuterungen finden Sie im Internet-Angebot der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder unter www.amtliche-sozialberichterstattung.de.
Methodische Hinweise: Als armutsgefährdet gelten nach Definition der Europäischen Union Personen, deren Äquivalenzeinkommen weniger als 60 Prozent des Mittelwerts (Medians) der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung (in Privathaushalten) beträgt. Das Äquivalenzeinkommen ist ein bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen je Haushaltsmitglied, das ermittelt wird, indem das Haushaltsnettoeinkommen durch die Summe der Bedarfsgewichte der im Haushalt lebenden Personen geteilt wird. Nach EU-Standard wird zur Bedarfsgewichtung die neue OECD-Skala verwendet. Danach wird der ersten erwachsenen Person im Haushalt das Bedarfsgewicht 1 zugeordnet, für die weiteren Haushaltsmitglieder werden Gewichte von < 1 eingesetzt (0,5 für weitere Personen im Alter von 14 oder mehr Jahren und 0,3 für jedes Kind im Alter von unter 14 Jahren), weil angenommen wird, dass sich durch gemeinsames Wirtschaften Einsparungen erreichen lassen.
Weitere Auskünfte erteilt:
Lars Redert
0611 3802-228
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Pressemitteilung:
Hessisches Statistisches Landesamt
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